Case Study · SmartDock

Allein anlegen – mit dem Smartphone

SmartDock ist eine App, mit der Skipper ihre Yacht beim Anlegen per Smartphone steuern – auch wenn niemand sonst an Bord ist. Sie funktioniert mit 13 verschiedenen Volvo-Penta-Antriebssystemen.

Unternehmen
Thitronik GmbH
Zeitraum
Nov 2023 – Sep 2025
Team
ich als einzige Designerin, dazu das Entwicklungsteam
Meine Rolle
UI-Design aller Screens, Anzeige- und Bedienlogik, Lottie-Animationen, Design-System, Logo und Markenauftritt. Bei den Tests auf dem Wasser war ich dabei und habe die Ergebnisse dokumentiert.
SmartDock App auf einem Smartphone in der Hand
Kontext & Problem

Allein anlegen ist der schwierigste Moment auf dem Wasser

Beim Anlegen muss der Skipper gleichzeitig steuern, Abstände einschätzen und an Deck die Leinen vorbereiten. Oft hilft jemand aus Familie oder Freundeskreis, der wenig Erfahrung hat. Das heißt: Stress, Missverständnisse und im schlimmsten Fall ein Kratzer am Nachbarboot.

  • Eingeschränkte Sicht – vom Steuerstand sieht man die Abstände zum Steg kaum.

  • Nur zwei Hände – steuern und gleichzeitig Leinen werfen geht kaum.

  • Hohes Risiko – ein falscher Winkel, und es kracht.

Die Idee von SmartDock: Der Skipper steuert die Yacht per Smartphone direkt vom Deck aus – genau dort, wo er die Abstände sieht. Meine Aufgabe: diese Steuerung so zu gestalten, dass sie unter Stress, auf dem Wasser und mit einer Hand funktioniert.

Wie ich gearbeitet habe

Design direkt neben der Entwicklung

  • Ein Raum, kurze Wege – Fragen zur Logik haben wir direkt am Screen geklärt, nicht in langen Tickets.

  • Design-System als gemeinsame Sprache – Farben, Komponenten und Zustände in Figma dokumentiert, damit das Team ohne Rückfragen umsetzen konnte.

  • Lottie statt Video – Animationen als leichte JSON-Dateien, die die Hardware nicht ausbremsen.

  • Tests auf echten Booten – mit Entwicklern und Skippern an Bord. Was wir dort gelernt haben, floss direkt in die nächste Version.

Designentscheidungen

Entscheidung 1

Alles im Daumenbereich

Problem

Mit einer Hand hält sich der Skipper an der Reling fest.

Entscheidung

Alle wichtigen Bedienelemente liegen unten im Daumenbereich. Oben am Screen muss man nichts erreichen.

Warum

Bei Welle und mit nur einer freien Hand entscheidet die Erreichbarkeit, ob die App überhaupt nutzbar ist.

Entscheidung 2

Das Boot bewegen, nicht einen Hebel

Problem

13 Antriebssysteme – klassische Steuerhebel sind komplex und wenig intuitiv.

Entscheidung

Zwei Modi. Controller ist ein digitaler Joystick. Bei Boatdrag dreht und zieht man das Boot-Symbol einfach dorthin, wo die Yacht hinsoll.

Warum

Die Geste entspricht der Bewegung des Bootes. Niemand muss im Kopf übersetzen, welcher Hebel was macht.

Entscheidung 3

Feedback, das man im Augenwinkel sieht

Problem

Beim Anlegen schaut der Skipper auf den Steg, nicht auf den Screen. Trotzdem muss er sofort merken, ob der Motor reagiert.

Entscheidung

Lottie-Animationen zeigen Schubrichtung und Systemzustand – ganz ohne Text.

Warum

Bewegung nimmt man im Augenwinkel viel schneller wahr als Text oder Zahlen.

Validierung auf dem Wasser

Getestet dort, wo die App gebraucht wird

Wir haben SmartDock direkt auf einer Yacht getestet – mit echten Skippern und dem Entwicklungsteam an Bord.

Iteration 1 — Buttons, die man blind trifft

Vorher

Runde, daumengroße Buttons für den Volllast-Modus, die man mit beiden Daumen gleichzeitig drückt.

Nachher
Test

Die Skipper trafen die Buttons oft nicht beim ersten Versuch – obwohl sie schon groß waren.

Erkenntnis

Beim Anlegen schaut man aufs Wasser, nicht auf den Screen. Die Buttons müssen sich blind treffen lassen.

Änderung

Zwei große ovale Flächen in der linken und rechten unteren Ecke, die einen großen Teil des unteren Screens abdecken. Auch die übrigen Bedienelemente haben wir vergrößert.

Ergebnis

Alle 12 Skipper: Anlegen ist jetzt deutlich leichter

Bei den Tests, bei denen ich dabei war, haben 12 Skipper SmartDock ausprobiert. Alle 12 sagten danach, dass ihnen das Anlegen deutlich leichter fällt:

  • Keine zweite Person nötig

    sie legen allein an, ohne jemanden um Hilfe zu bitten.

  • Sicht auf die letzten Zentimeter

    vom Deck aus sehen sie selbst, ob neben dem Nachbarboot noch etwa 10 cm Platz sind.

  • Weniger Angst vor Schäden

    in vollen Häfen liegen die Yachten dicht an dicht. Die Sorge, ein fremdes Boot zu touchieren und danach Reparatur und Versicherung zu klären, fällt weg.

Dazu: ein Design-System, mit dem das Entwicklungsteam selbstständig weiterarbeiten konnte.

Visual Direction & Branding

Die Marke SmartDock

Mit dem Logo hat für mich alles angefangen. Daraus ist die ganze visuelle Sprache entstanden: eine dunkle Basis, die man draußen gut lesen kann, und Lime als Signalfarbe für aktive Zustände.

Nächstes Projekt

Lumi Self Care Planner