Case Study · Lumi

Lumi – ein Planer, der sich nach deiner Energie richtet

Lumi ist eine App für alle, die sich von klassischen To-Do-Apps unter Druck gesetzt fühlen. Statt einer starren Liste fragt Lumi zuerst: Wie viel Energie hast du heute? Und zeigt dann nur die Aufgaben, die dazu passen.

Typ
Entstanden im Product Design Bootcamp der Digitale Leute School (Mentoring durch Designer von Porsche Digital, AWS und Miro). Jetzt entwickle ich Lumi als eigenes Produkt weiter.
Dauer
Feb. 2026–Heute
Meine Rolle
alles selbst – Research, UX, UI, Motion, Usability-Tests
Tools
Figma, FigJam, Miro, After Effects
Lumi App auf einem Smartphone
Problem

An schlechten Tagen machen To-Do-Apps alles schlimmer

Viele Planer begrüßen dich morgens mit einer langen Liste roter, überfälliger Aufgaben. Wenn die Energie sowieso fehlt, kommt das schlechte Gewissen dazu – und die App wird geschlossen.

„Wenn ich die App öffne und die Liste mit roten Aufgaben sehe, klappe ich den Laptop wieder zu.“
– Leni, Grafikdesignerin, 28
Research

Wie ich das Problem untersucht habe

  • 2 Tiefeninterviews mit echten Nutzerinnen, dazu 1 synthetisches Interview mit einer KI-Persona, um Hypothesen zu schärfen
  • Online-Umfrage mit 17 Fragen, Zielgruppe 25–35
  • Affinity Mapping: 31 Aussagen, sortiert in 4 Themen
  • 3 Nutzersegmente und 2 Personas (Melissa, Zlata)
  • Wettbewerbsanalyse von Finch

Was immer wieder kam – in den Worten der Nutzerinnen

  • Die Liste bestraft

    „Rote Zahlen schreien mich an: Du bist zu langsam!“

  • Die App ist Zusatzarbeit

    „Es raubt mir zu viel Zeit.“ Die meisten Befragten geben Planer-Apps auf, weil die Pflege zu aufwendig ist.

  • Der Plan passt nicht zur Tagesform

    „Ich plane in der Löwen-Energie, aber scheitere im Tief.“

  • Der Wunsch nach Erlaubnis

    „Es ist okay, heute weniger zu tun – das will ich hören.“

Die zentrale Erkenntnis

Es fehlt nicht an Zeitmanagement. Es fehlt die Erlaubnis, an schlechten Tagen weniger zu tun.

Die Leitfrage

Wie könnten wir Melissas Aufgabenliste an ihre Energie anpassen, damit sie sich eine Pause erlaubt – ohne schlechtes Gewissen?

Ausschnitt aus der Affinity Map
Ausschnitt aus der Affinity Map

Und die Konkurrenz?

Finch hält Nutzer mit einem virtuellen Haustier bei der Stange, das „leidet“, wenn man die App nicht öffnet. Ich gehe bewusst den anderen Weg: keine Schuld, keine Streaks, eine ruhige Optik wie ein schönes Notizbuch.

FinchLumi
MotivationHaustier, das „leidet“Keine Schuld
FortschrittStreaksKeine Streaks
OptikBunt, verspieltRuhig wie ein Notizbuch

Insights → Designentscheidungen

Entscheidung 1

Erst fragen, dann planen

Energie-Check-in
Insight

Die volle Liste am Morgen überfordert.

Entscheidung

Der erste Screen ist ein Energie-Check-in: eine Frage, ein Tipp. Die Energie-Blobs zeigen den Zustand ohne Worte.

Warum

Wer wenig Energie hat, braucht keinen Fragebogen. Ein Tipp – und die App bleibt offen, statt weggeklickt zu werden.

Entscheidung 2

Nur zeigen, was heute realistisch ist

Home bei hoher und bei niedriger Energie, nebeneinander
Insight

Klassische Planer ignorieren die Tagesform.

Entscheidung

Die Startseite filtert die Aufgaben nach dem gewählten Energielevel.

Warum

Eine kurze Liste, die man schafft, motiviert mehr als eine lange, an der man scheitert.

Entscheidung 3

Parken statt verlieren

Aufgaben-Pool
Insight

Neue Ideen und Unerledigtes fühlen sich wie Schulden an.

Entscheidung

Im Aufgaben-Pool wartet alles, was heute nicht passt. Nichts wird rot, nichts verschwindet.

Warum

Die Aufgabe bleibt gespeichert. Der Druck nicht.

Entscheidung 4

Sprache, die entlastet

Home im Status „Müde“ mit diesem Satz
Insight

Die Nutzerinnen wünschen sich einen Coach oder eine Freundin, keinen Manager.

Entscheidung

Alle Texte sind warm und ohne Druck – zum Beispiel „Heute machen wir's leichter“, wenn du „Müde“ wählst.

Warum

Auf genau diesen Satz haben die Testpersonen spontan positiv reagiert.

Informationsarchitektur

4 Bereiche statt Feature-Chaos

Lumi hat 4 Bereiche: Home (Check-in und Aufgaben für heute), Aufgaben-Pool, Tracker (Gewohnheiten) und Lebensrad.

Sitemap von Lumi mit 4 Tabs und ihren Unterseiten
Vom Konzept zum UI

Von der Skizze zum fertigen Screen

Die Struktur habe ich mit schnellen Skizzen und Wireframes geprüft – und bin dann zügig ins visuelle Design gegangen.

  1. Skizze
  2. Wireframe
    Wireframe
  3. Finaler Home-Screen
    Finaler Home-Screen
Validierung

Getestet mit echten Nutzerinnen – und verbessert

Ich habe den ersten klickbaren Prototyp mit Testpersonen getestet. Das Szenario: „Du bist heute müde. Plane deinen Tag so, dass du dich nicht übernimmst – aber füge eine wichtige Aufgabe hinzu.“ Dazu 3 Aufgaben: eine neue Aufgabe anlegen, eine Aufgabe im Pool abhaken, den Aufwand einer Aufgabe ändern. Meine Hypothese: Eine eigene Aufgabe ist in unter 20 Sekunden angelegt. Die Testpersonen haben laut gedacht, und ihre Hinweise sind direkt ins High-Fidelity-Design eingeflossen.

Iteration 1 — Von abstrakten Labels zu Energie-Blobs

Vorher
Nachher
Test

Beim Filtern im Aufgaben-Pool zögerten die Testpersonen.

Erkenntnis

Die farbigen Labels erklären sich ohne Klick nicht von selbst.

Änderung

Energie-Blobs als Bildsprache, dazu erklärende Icons.

Iteration 2 — Den „+“-Button finden

Vorher
Nachher
Test

Die Testpersonen suchten kurz nach dem Button für neue Aufgaben.

Erkenntnis

Die Position direkt über der Tab-Bar ist ungewohnt.

Änderung

Ein größerer Button „Neue Aufgabe“, gut sichtbar in der Mitte.

Iteration 3 — Tap-Flächen, die man auch müde trifft

Vorher
Nachher
Test

Checkbox und Text lagen sehr dicht beieinander.

Erkenntnis

Wer müde oder unkonzentriert ist, verklickt sich leicht – die Tap-Flächen müssen größer sein (Fitts's Law).

Änderung

Größere Tap-Flächen (44×44 pt) und mehr Abstand.

Was im Test gut funktioniert hat

  • Den Energie-Check-in fanden die Testpersonen einfach und sehr hilfreich.
  • Die empathischen Texte haben spürbar Druck rausgenommen.
  • Die ruhige Optik mit den Wolken-Charakteren wirkte stressfrei.
Nächste Schritte

Was ich als Nächstes verbessern würde

Problem

Im Test kam der Wunsch, besser zu verstehen, wie die App funktioniert.

Lösung

Ein kurzes Onboarding, das das Energie-Prinzip in 2–3 Screens zeigt.

Problem

Eine erledigte Aufgabe fühlt sich noch nicht wie ein kleiner Erfolg an.

Lösung

Eine kurze Belohnungs-Animation beim Abhaken.

Zielmetriken für den Launch

30-Tage-Retention über 25 %, eine Aufgabe in unter 15 Sekunden anpassen, Wohlbefinden nach dem Planen über 4,5 von 5.

Was ich gelernt habe

  1. 1

    Früher testen.

    Beim nächsten Mal teste ich schon die Lo-Fi-Wireframes.

  2. 2

    Weglassen ist am schwersten.

    Die Reduktion auf den Kern war die härteste und zugleich wertvollste Entscheidung.

  3. 3

    KI macht mich schneller, ersetzt aber kein Design.

    Beim Clustern der Interviews und Umfrageantworten hat sie mir etwa 2 Stunden gespart, ein synthetisches Interview half beim Schärfen der Hypothesen. Die Grundlage bleiben echte Nutzerinnen, meine Logik und meine Entscheidungen.

Nächstes Projekt

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